Zum Abschluss der Grundlagen des Ernährungskonzeptes machen wir einen Exkurs in die Welt der Gewürze. Die haben zwar nicht wirklich etwas mit dem Ernährungsbedarf zu tun, gestalten unsere Ernährung aber schmackhaft(er). Weltweit gibt es über 350 Gewürze. Dazu kommen die Kräuter, die wir als Gewürze nutzen, sowie natürlich die Gewürzmischungen und -zubereitungen. Das alles ergibt eine schier unendliche Vielfalt an Möglichkeiten, die Speisen zu verfeinern. Je nachdem, in welcher Kultur wir aufwachsen, sind wir an bestimmte Arten von Würze gewöhnt. Sobald wir dann in neue Kulturen reisen, nehmen wir Inspiration mit und reichern unsere eigene Würzvielfalt damit an. Im Lebensmitteleinzelhandel übernimmt diese Aufgabe auch häufig die Industrie, indem sie uns ständig neue Mischungen anbietet; vom Brathähnchengewürz über Tomaten Mozzarella Würze bis hin zur Chinagewürzmischung. Wenn wir dann auch noch Gewürz-Zubereitungen wie Wasabi oder auch ganz einfach Senf in unsere Betrachtung mit einbeziehen, dann kennen die Aromen quasi keine Grenzen.
Wenn wir uns allerdings wieder auf den Ursprung besinnen, basieren all diese Möglichkeiten immer auf bestimmten Grund-Gewürzen und Kräutern, die neu zusammengestellt werden. Und daraus ergibt sich ein abweichendes Geschmackserlebnis für uns, je nach Mischung. Es ist unheimlich faszinierend welch großes Repertoire in ein paar Pflanzen und deren Komponenten steckt. Jede für sich alleine, aber dann auch noch kombiniert mit dem Gewinnungsprozess ist wie ein kleiner Zaubertrick. In unserer Küche gehören Gewürze zum Alltag. Das Gericht wird erst durch die individuelle Würze zum Highlight. Die Zubereitung macht den Unterschied. Also sollten wir auch unbedingt unserer Karriere Würze verleihen.
1997 sangen die Spice Girls „Spice Up your life!“, also bring Würze in Dein Leben. Ich denke, Gleiches sollte auch für unser Umfeld gelten. Wer strebt nicht danach seinen Lebensalltag aufzufrischen; ein bisschen Pep in das Leben zu bringen, um es aufregender zu gestalten? Das ist ein Ansatz, bei dem wir quasi fremde Energiequellen in unser Leben holen, um unserem Leben den gewissen Pfiff zu geben. Darauf aufbauend ist es daher nur logische Konsequenz, dass wir uns darüber klarwerden, wie wir durch unsere Würze die Energie auf andere übertragen. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas komplex, ist aber im Grunde nur die Gegenseitigkeit im Miteinander. Wir bereichern unseren Alltag gegenseitig; ein Nehmen und Geben. Oder anders beschrieben ist es der Handel mit Würze untereinander, wie auf einem Basar.
Die persönliche Würze ist genau das, was uns als Individuum besonders macht. Das Markenzeichen, das persönliche Branding. Wir kennen es alle aus der Werbung: Dort gibt es die Slogans nur zu Genüge. Die Produkte werden mit bestimmten Farbtönen und fest zugeordneten Stimmungselementen vermarktet. Das dient einzig und allein dem Wiedererkennungswert und dem Alleinstellungsmerkmal. Sie helfen uns zu erkennen, warum wir genau dieses Produkt kaufen sollen. Diese Hilfestellung wird uns ganz gezielt gegeben, mit möglichst minimalem Spielraum für Interpretation. Der Vermarkter entscheidet, wofür das Produkt stehen soll und verbreitet dieses Würzaroma auf uns.
Wie würden wir uns also beschreiben, wenn wir ein Produkt wären? Was macht uns einzigartig? Hier müssen wir ganz bewusst selektieren und uns über die Merkmale klarwerden, die uns aus der Masse hervorheben. Wir sollten unsere Gedanken marinieren lassen, indem wir sie mit dem Bild abgleichen, was andere von uns bereits haben. So finden wir die Grundkomponenten unserer persönlichen Gewürzmischung heraus. Unser Ziel muss es sein, die Gewürze so aufzubereiten, dass sie immer wahrgenommen werden. Das ist keine Frage von Freiwilligkeit, sondern eine ganz entscheidende Absicht: Wir wollen, dass unser Umfeld verinnerlicht, wie wir seinen Alltag aufpeppen. Wir können gerne ein Experiment starten und in unserem Umfeld nach drei Eigenschaften fragen, die an uns wahrgenommen werden. Unser Umfeld wird aller Voraussicht nach, nicht einstimmig antworten. Viel wichtiger ist allerdings die Frage nach dem, was wir uns denn als Antwort wünschen würden? Niederschmetternder Weise können wir selbst auf eine so bedeutsame Frage zu unserer eigenen Person häufig nicht aus dem Stegreif antworten.
Wie entscheidend die Würze ist, möchte ich anhand des Beispiels Salz und Pfeffer verdeutlichen. Wenn wir nur Pfeffer und Salz nehmen, dann erkennen wir diese Gewürze in jedem Essen. Die richtige Dosis registrieren wir kaum, die falsche Menge nehmen wir als Mangel oder unangenehme Überdosierung wahr. Aber grundsätzlich verschwenden wir bei guter Dosierung nicht mal einen Gedanken an Salz und Pfeffer, so unspektakulär sind sie für uns. Es fehlt die Besonderheit. Und obwohl es auch eine Kunst ist Salz und Pfeffer richtig zu dosieren, erfährt dies trotzdem eine mangelnde positive Wertschätzung. Diese Gewürzkombination kann nur verlieren, weil sie entweder gar nicht oder bei Fehlanwendung negativ registriert wird. Unser Ziel muss es sein, unsere Würze auf natürliche Art und Weise auch anderen schmackhaft zu machen. Die Betonung liegt dabei auf „natürlich“, denn das ist in diesem Falle einhergehend mit glaubhaft. Unser persönliches Branding sollte nicht ein sich ständig wiederholender Slogan sein. Wir wollen positive Wertschätzung für unsere Persönlichkeit und kein genervtes Umfeld. Wir verfolgen eine nachhaltige Strategie, um unsere Außendarstellung mit der Würzmischung anzureichern. Das beinhaltet mehr als nur Wortphrasen, sondern spiegelt sich in einem Einklang aus Mimik, Gestik, Ausdrucksweisen und Verhalten wider. Das heißt, wir können zum Beispiel ein bestimmtes Wort in unserem Wortschatz nutzen, eine Verhaltensweise routinieren oder durch bewusst gewählte Mimik und Gestik eine Wahrnehmung bei anderen schaffen. Das sind Kleinigkeiten, mit denen wir einen bleibenden Eindruck erzeugen können. Einen Eindruck hinterlassen wir so oder so. Der entscheidende Unterschied an dieser Stelle ist, dass wir bewusst beeinflussen, welchen Eindruck wir hinterlassen wollen. Aber bitte nicht falsch verstehen: Der Eindruck, den wir hinterlassen wollen, muss schon zu uns passen. Wir wollen keine Schauspieler im Alltag sein. Jede Show hat ihr rauschendes Finale und dann wird es einfach nur peinlich. Wir wollen wir selbst sein und unser wir unterstreichen. Ein jeder von uns, hat eine persönliche Würzmischung und damit einen wichtigen Bestandteil seines Erfolgsrezept.