Fette – Geschicktes Polstern vs. Karriereträgheit

Interessanterweise sind die Fette bei der Lebensmittelkennzeichnug auf der Verpackung Punkt zwei in der Nährwerttabelle direkt nach dem Energiegehalt. Das ist nach der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) geregelt. Das heißt als Konsument von Lebensmitteln spielt diese Information für uns eine entscheidende Rolle. Das liegt daran, dass Fett in vielen Lebensmitteln vorkommt. Fette sind hervorragende Energielieferanten und geben uns mehr als doppelt so viel Energie wie die zuvor genannten Kohlenhydrate oder Proteine. Fette genießen allerdings in unserer Ernährungswahrnehmung einen schlechten Ruf, tragen aber dennoch eine große Verantwortung für unseren Körper. Die allerwichtigste Tatsache ist, dass Fette unseren Körper vor Kälte schützen. Das Fett aus unserer Ernährung gelangt dabei über das Blut in unser Gewebe. Das Fett, das derzeit nicht benötigt wird, wird in den Fettzellen angelagert und bildet unser allseits bekanntes Fettpölsterchen. Dadurch kann unser Körper auch vorübergehendes Fehlen von Energiezufuhr kompensieren, indem er auf diese Reserven zurückgreift. Fette sind zudem Wegbereiter für die fettlöslichen Vitamine. Außerdem kommen nicht alle lebenswichtigen Fettsäuren und damit Bestandteile der Fette in unserem Körper in natürlicher Form vor. Hier gilt die gleiche Regel, wie bei den Proteinen, wir müssen diese bestimmten mehrfach ungesättigten Fettsäuren mit der Nahrung aufnehmen, zur Gesunderhaltung unseres Körpers. Also alles in allem sind Fette in Maßen eine regelrechte Wohlfühloase für unseren Körper. Nichtsdestotrotz verzehren wir viel zu viel Fett. Und das liegt vor allem daran, dass Fette wie bereits im Volksmund bekannt Geschmacks- und Aromenträger sind. Sie haben lebensmitteltechnische Funktionen, die speziell bei der Textur und dem damit verbundenen Mundgefühl beim Verzehr zuträglich sind. Deshalb ist die Aufklärung für uns Konsumenten in der Lebensmittelkennzeichnung auch so entscheidend.

Im beruflichen Kontext sind Fette auch unsere Sattmacher an Zufriedenheit. Ein gutes Gefühl zu haben, bei dem was wir tun, wollen wir schließlich alle. Das ist mit ein Grund, warum wir uns zu fetthaltig ernähren. Das ist aber auch eine Ursache, warum wir uns im beruflichen Lebensweg manchmal nicht so weiterentwickeln, wie wir es uns vorgenommen haben. Fassen wir es kurz: Fett macht uns glücklich und zufrieden allerdings auch satt. Wie erinnern uns an unsere letzte Portion Bratkartoffeln und wissen sofort, danach setzte eine tiefe Bettschwere ein. Wenn wir an unsere Arbeit denken, dann haben wir auch Wohlfühlfaktoren in unserem Alltag. Dabei spreche ich nicht nur vom netten Plausch mit den Kollegen oder der Zigaretten-, Kaffee- bzw. Tee-Pause. Das gehört natürlich zum Alltag, sollte ebenso nie Überhand nehmen, aber ist nicht der Kernpunkt, mit dem wir uns an dieser Stelle beschäftigen sollten. In unserem Job gibt es Dinge, die uns gleichzeitig zufrieden stellen aber auch sättigen. Das sind üblicherweise unsere Talente, auf denen wir uns gerne mal ausruhen. Gerade als Berufseinsteiger nutzen wir sie sehr stark und sie gehen uns leicht von der Hand. Wir haben bereits im Protein-Kapitel darüber gesprochen, dass unsere Talente auch als solche von unserem Umfeld wahrgenommen werden. In gewisser Weise sind sie also unsere Geschmacksträger des Erfolges. Die Gefahr an dieser Stelle besteht nun darin, dass wir unsere Stärken in verschiedenen Situationen immer eindimensional nutzen. Das macht uns für das Umfeld berechenbar und möglicherweise uninteressant. Dadurch werden wir mit unseren Talenten auf Dauer weniger erfolgreich sein, weil wir übertrieben gesagt wie ein menschlicher Roboter agieren. Unser Arbeitsalltag besteht selten aus immer gleichen Abläufen. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass wir eine langfristige Arbeitsroutine haben, auch wenn sich Aufgaben wiederholen. Die Anforderungen an unsere Arbeitskraft steigen, auch wenn die Position die Gleiche bleibt. Der Fortschritt der Welt und speziell der Technologie fordert eine permanente Weiterentwicklung unsererseits. Nehmen wir eine Person, die als Maschinenführer in einer Produktion arbeitet. Als dieser Arbeiter seine Aufgabe vor dreißig Jahren begonnen hat, war seine Tätigkeit das Bedienen einer Anlage und wahrscheinlich auch eine Vielzahl an körperlichen Arbeiten, die die Maschine gar nicht leisten konnte. Heutzutage muss er oder sie vielleicht mehrere Maschinen bedienen können, einfache Instandhaltungsmaßnahmen durchführen, Maschinen beim Produktwechsel einstellen und möglicherweise zwischendurch Qualitätskontrollen durchführen. Das alles geschieht nicht mehr mit analogen Einstellmöglichkeiten wie „damals“, sondern unter Nutzung automatisierter smarter Computerprogramme und elektronische Ausweise, um die Vorgänge durchzuführen. In der Industrie spricht man von der Entwicklung von 1.0 bis 4.0. Und bei der Veränderung in der digitalen Welt vermag ich nicht zu denken, dass bei 4.0 bereits das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Wir sehen also, es gibt keine Routine, die Welt dreht sich permanent weiter und wir dürfen niemals in der Wohlfühloase verbleiben. Wenn wir heute eine Aufgabe gerne und erfolgreich machen, so müssen wir uns die Frage erlauben, ob dies in zehn oder zwanzig Jahren auch noch so ist. Gleichzeitig sollten wir uns immer im Klaren sein, dass der Anspruch, der heute an mich in einer Position gestellt wird, in zehn oder zwanzig Jahren nicht mehr der Gleiche sein wird. Wir dürfen uns nicht ausruhen, sonst verlieren wir den Anschluss. Im Grunde gilt die goldene Regel, das was heute ausreicht, ist morgen nicht mehr genug.

Gleichzeitig habe ich auch mit Menschen gesprochen, die eigentlich niemals in ihrer Karriere gesättigt in dem Moment der Zufriedenheit verweilt haben. Sie sind noch nicht mal in diesem Gefühl angekommen, sondern sind vorher schon zu ihrem nächsten Karriereschritt gestürmt. In einer solchen Situation missen wir die Chance Erfahrungen zu sammeln. Wir laufen schneller als unsere Karriereernährung uns mit energiereichem Fett versorgen kann. Das gilt besonders für die jungen Jahre im Berufsleben. Wir sind leistungsstark und besonders aufnahmefähig. Dennoch dürfen wir nicht die Chance verpassen, die entwicklungsgerechten Erfahrungen zu sammeln. In den seltensten Fällen, wird man mit Anfang dreißig bereits ein erfolgreiches Aufsichtsratsmitglied oder Senior Chef. Sowas funktioniert allenfalls im mittelständischen Familienbetrieb, weil wir bereits als Familienmitglied von Kindesbeinen an dort Erfahrungen sammeln. Aber für uns als Angestellter wird es in der Regel schwierig, wenn unser Erfahrungssammeln dem Karriere-Tempo nicht Schritt halten kann. Im besten Fall, haben wir immer noch genug Fettreserve also Energie, um im nächsten Schritt noch unser Idealgewicht zu halten. Allerdings ist es eine Karriere auf Messers Schneide und wahrscheinlich werden wir irgendwann ausgemergelt sein, weil unsere Fettpolster nicht ausreichen, um uns mit Energie zu versorgen. Es ist zu energieraubend immer nur außerhalb unserer Komfortzone zu agieren. Unser Körper befindet sich im schlimmsten Fall im permanenten Dehnungszustand, weil uns Lebenserfahrung fehlt und damit die Talentsicherheit in unseren Stärken. Neue Herausforderungen sind regelrechte Energiefresser, wenn wir denen kein Fettpölsterchen entgegensetzen können, wird es schwer dem Körper ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen.

Zusammengefasst sollten wir immer die Ausgewogenheit im Auge behalten. Fett in unserer Ernährung ist essentiell. Das heißt wir müssen darauf achten, dass wir Elemente in unserem Berufsleben haben, die uns ein Wohlfühlgefühl geben. Das sind die Fähigkeiten, die uns einfach von der Hand gehen. Wir sind kein Hochleistungsportler, der permanent am Limit operiert. Selbst der tut das übrigens nicht, sondern gönnt sich Erholungsphasen und bereitet sich explizit auf den Hochleistungsmoment vor. Gleichzeitig tun wir uns keinen Gefallen, wenn wir uns auf dem ausruhen, was wir können. Das wird im ersten Moment kein Problem darstellen, aber auf Dauer, werden wir zu fett und träge sein für den Wandel von Morgen. Wir brauchen somit eine gute Mischung aus der Energie von Heute und der Herausforderung für die Zukunft. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, hängt sicherlich von unserer Karriereambition ab. Ganz verzichten auf eines der beiden sollten wir aber auf keinen Fall.