Iss für dich, denn es ist für dich.
Die Karriere wird oftmals mit einem faden Beigeschmack serviert. Viele verbinden mit dem Wort das Streben nach Anerkennung und sozialem Aufstieg. Für die als erfolgreich geltenden unter uns dient die Karriere als Statussymbol; eine Form der sozialen Abgrenzung oder besser gesagt Selbst-Ausgrenzung. Wir erinnern uns alle an „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“. Für die anderen, die sich als weniger erfolgreich sehen, ist sie der Inbegriff der gesellschaftlichen Minderwertigkeit. Es wird unterschieden zwischen denen, die leben, um zu arbeiten, und denen, die arbeiten um zu leben. Dabei ist die Karriere im klassischen Sinne nur unser beruflicher Werdegang, der gestaltet werden will.
Die berufliche Ambition wird häufig in Form einer Karriereleiter dargestellt. Die Leiter endet üblicherweise oben mit dem implizierten darauffolgenden tiefen Fall. Aber was genau sollen wir da oben auf der Leiter? Wenn ich auf Bildersuche zur Karriereleiter gehe, dann finde ich Darstellungen von Leitern, die im Nichts enden. Nichts, völlige Leere und Isolation. Eine Karriereleiter hat zudem so etwas Kompetitives. Auf einer Stufe kann schließlich nur eine Person stehen. Alle anderen stehen entweder eine Stufe darüber oder darunter. Wir hängen entweder hinterher oder sind den anderen voraus. Und damit sind wir permanent im Stress ganz oben zu stehen oder aber wir meiden den Wettbewerb und treten auf der Stelle. Kurzum, der Gedanke an Karriere ist nicht appetitanregend.
Wenn ich aber über Karriere nachdenke, dann denke ich ganz elementar an den beruflichen Lebensweg. Und der hat tatsächlich auch einen Anfang und ein Ende, wie es die Leiter uns weiß machen will. Der berufliche Lebensweg hat sein planmäßiges Ende mit dem Erreichen des Rentenalters. Wobei dieser Zeitpunkt heutzutage nicht mehr so fix anzusehen ist. Aber in irgendeiner Form erreicht jeder von uns irgendwann den Zustand des Ruhestandes. Bis zu diesem Zeitpunkt gestalten wir unsere Karriere mit weitaus mehr Kreativität als es eine gradlinige Leiter vermuten lässt. Und deshalb möchte ich unser gedankliches Konstrukt in eine andere Richtung lenken: Denken wir beispielsweise an ein Mehrgänge-Menü mit nicht limitierten Gangfolgen, das wir über die Jahre konsumieren. Dabei kennen wir zwar nicht die komplette Menüfolge im Vorhinein. Wir haben aber immer die servierfähigen Teller unseres nächsten Ganges vor unserem geistigen Auge. Doch jeder Gang beginnt mit der Auswahl der Zutaten, und deren Kombination. Neben dem Anrichten spielt die Zubereitung eine entscheidende Rolle. Die Vorfreude, auf das bevorstehende Geschmackserlebnis treibt uns dabei an und die Ausgewogenheit der Ernährung macht uns glücklich und zufrieden. Die Menüfolge ist dabei eine eigens von uns zusammengestellte Karriereernährung, auf die wir uns auch einlassen müssen.
Bei dem rasanten Fortschritt der Technologien und Globalisierung gibt es eine Vielfalt an Menü-Optionen und Zutaten, um unsere Karriere zu ernähren. Und wir verschmähen so manches Mahl, weil wir nicht zugreifen. Wir erkennen den Reiz des Menüs nicht, oder wir wagen deren Verkostung nicht ohne beurteilen zu können wie es schmeckt. Denn was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Wir sind nicht experimentell oder neugierig genug, wenn es um die Geschmacksentwicklung der Karriere geht. Sicherlich ist das etwas schwarz-weiß gemalt. Aber Fakt ist doch, dass wir unseren beruflichen Lebensweg, tatsächlich oftmals eher unachtsam einläuten.
Erste kritische Lebensentscheidungen werden früh getroffen. Die Gradlinigkeit der Einbahnstraßen-Karriereleiter hat sich längst aufgebläht zu einem komplexen Gerüst, in dem wir alle unseren Platz finden. Deshalb müssen wir uns die Chance geben, eigene Karrierepfade zu entdecken. Dabei sollten wir uns auch von der Vorstellung lösen, dass jede Entscheidung im Zusammenhang mit dem beruflichen Lebensweg eine finale Entscheidung ist. Sie kann es gar nicht sein. Denn wenn wir mit sechzehn Jahren eine Ausbildung starten oder mit neunzehn Jahren im Hörsaal einer Vorlesung sitzen, dann wissen wir alles, was wir in dem Alter wissen sollten. Wir haben einen Erfahrungsschatz in Form von Zutaten in unserem Rezeptbuch stehen, der unseren ersten Gang im Karrieremenü schmecken lässt. Mehr nicht. Und viel wichtiger, mehr muss es auch nicht sein. Entledigen wir uns als erstes des Druckes: Es gibt keine definitive, ultimative oder gar universelle Lösung.
Wir müssen alle unseren eigenen Weg finden, um die Karriere zu leben, die uns gleichermaßen fordert und Freude bereitet. Die Karriere muss uns schmecken. In jungen Jahren sind wir noch nicht gefestigt genug zu erkennen, ob uns eine Zutat oder nur deren kennengelernte Zubereitung schmeckt beziehungsweise nicht schmeckt. Doch genau diese uns bekannte Zubereitung steuert unsere Entscheidungen: Unsere Erziehung und unser Umfeld prägen unsere Idealvorstellungen vom Leben. Wir verlassen uns zu Beginn unseres Lebensweges auf die Empfehlungen unseres Umfelds, weil wir es nicht besser wissen. Uns fehlt der Bewertungsmaßstab durch die eigene Erfahrung. Mit jeder gesammelten Erfahrung wächst unsere Fähigkeit die Empfehlungen von Außenstehenden mit uns abzugleichen. Wenn wir zurückblicken auf unsere erste berufliche Entscheidung nach der Schule. Warum haben wir uns dafür entschieden? Bei mir war es zum Beispiel ein Absatz in dem Studienratgeber „Studieren in Hessen“, der mir den Studiengang schmackhaft gemacht hat, gepaart mit der Tatsache, dass ich studieren und zuhause wohnen kann. Das heißt zehn Zeilen in einem DIN A5 Büchlein aus der Gratisauslage in der Agentur für Arbeit entscheiden nun über mein berufliches Leben? Zu diesem Zeitpunkt folgte ich der Empfehlung im Einklang mit meinen Erfahrungen.
Doch nicht immer ist ein gut gemeinter Rat auch der Richtige für uns selbst, ebenso ist er auch nicht immer falsch. Aber eine bewusste Entscheidung zu einem Zeitpunkt ist niemals zu bereuen. Sie ist eben nur nicht für immer in Stein gemeißelt. Es gibt somit keine Pauschalverpflegung in unserem Leben.
Doch leider sind wir uns dessen bei Weitem nicht ausreichend bewusst und leben zu häufig getreu des alten Motto „es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“. Das heißt, wir gehen lieber immer wieder in dasselbe Restaurant und wählen aus den uns bekannten Gerichten. In der Konsequenz übersättigen wir unsere Geschmacksnerven und wir verlieren jegliche Motivation für den nächsten Happen. Dennoch akzeptieren wir, dass dies nun unsere Ernährung für den Rest des Lebens ist. Das war sie doch; die einzige Wahl im Alltagsrestaurant oder etwa nicht?
Unsere Karriere ist in erster Linie ein persönlicher Weg in einem öffentlichen Umfeld. Ein jeder von uns geht einen eigenen Weg. Um ihn erfolgreich zu meistern, brauchen wir aber eine ausgewogene Wegzehrung. Ausgewogenheit spiegelt dabei wider, dass sie im Kontext stimmig ist. Das bedeutet, dass uns eben nicht jede Kombination schmeckt oder gut tut. Wir sind nicht dafür gemacht, in allem erfolgreich zu sein, somit werden wir auch nicht jede existierende Möglichkeit wahrnehmen können. Wichtig ist, dass wir uns als Teil des großen Ganzen sehen. Dabei richten wir aber den Fokus auf uns selbst, um den für uns besten Weg durch das große Ganze zu ebnen. Das ist nicht einfach und fordert uns.
Ich selbst kämpfe Tag für Tag mit der Klarheit meiner eigenen Karriereernährung und profitiere immer wieder von guten Gesprächen mit Menschen, die mir helfen meine Menüfolge und deren Zubereitung zu sichten. Denn es ist schwierig, den Rahmen für ein bisher nicht erlebtes Zukunftsbild zu setzen. Auf unserem beruflichen Karriereweg kann es schon mal vorkommen, dass wir das Haar in der Suppe finden oder andere werden uns die Suppe versalzen. Schlimmer ist es jedoch, wenn wir gar nicht erst versuchen unsere Suppe auszulöffeln, weil wir uns selbst Grenzen auferlegen. Das ist dann die Suppe, die wir nicht probieren, weil wir nicht wissen, was uns da erwartet. Wir kennen die Zutaten nicht oder wissen nicht wie sie zubereitet wurde. Im beruflichen Kontext heißt das: Wir haben uns zu wenig vorab damit auseinandergesetzt. Es ist schwer sich über das alles im Klaren zu sein und sich nicht in den unendlichen Weiten der Hirnwindungen zu verlieren.
So ist die Idee zu diesem Konzept entstanden. Ich verstehe „Ernähre Deine Karriere“ als Leitfaden zur beruflichen Selbstreflexion. Der französische Schriftsteller und Maler Francis Picabia gab uns folgenden Aphorismus mit auf den Weg: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann“. Ein wirkungsvoller Satz, der sich bei mir direkt als Bild im Kopf verfestigt hat. Hier findet unser Denken Impulse und Orientierungspunkte für Richtungswechsel. Es bietet uns Anregungen an, die uns in unserem Karriereanspruch und beruflichen Handeln beeinflussen können, wenn wir sie bewusst berücksichtigen. Um es vorweg zu nehmen, ich kenne nicht das geheime Karriererezept als allwirksames Mittel für jeden. Als Diplom Ingenieur der Lebensmitteltechnologie bin ich natürlich weder ein ausgebildeter Karrierecoach noch Ernährungswissenschaftlerin. Ich bin vielmehr eine Erfahrungssammlerin und Beobachterin. Ich bevorzuge den praktikablen Nutzen von Theorien. Und deshalb überdenke ich den beruflichen Kontext anhand der Fragen der Ernährung. Diese Analogie macht das Thema für uns greifbarer. Denn Essen und Trinken sind für jeden von uns fester Bestandteil des Alltags. Wir werden mehr und mehr zum aufgeklärten Konsumenten von Lebensmitteln. Wir ernähren uns bewusster.
Es ist Zeit sich auch bewusst mit der Karriereernährung auseinanderzusetzen. Dabei gibt es weder richtig noch falsch. Wir wollen verstehen, welche Karriereernährung ein jeder von uns benötigt, um erfolgreich durch den beruflichen Lebensweg zu navigieren. Eine erfolgreiche Karriereernährung stellt uns in den Mittelpunkt. Sie holt das Beste aus uns heraus und erhält uns gesund, ausgeglichen und zufrieden. Wir entscheiden, was wir benötigen und wie wir unsere Karriere ernähren möchten.
Die Proteine – Unsere Talentschmiede
Als Allererstes starten wir unsere Karriereernährung mit den Proteinen. Das Wort Protein leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet frei übersetzt sowas wie „ich nehme den ersten Platz ein“. Hier wird also schon an der Bezeichnung ersichtlich, wie wichtig die Proteine für unseren Körper sind. Im deutschen Sprachgebrauch benutzen wir häufig das Wort Eiweiß…
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