Wenn wir uns abwechslungsreich ernähren, dann spielt das Thema Mineralstoffe und Spurenelemente in unserer Ernährung eigentlich keine übergeordnete Rolle. In der Regel versorgt uns eine gute Mischung aus pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln ausreichend mit den besagten Stoffen. Auch wenn wir uns im Alltag nicht wissentlich im Detail mit ihnen in unserer Ernährung auseinandersetzen, bilden sie lebensnotwendige Steuerelemente in unserem Körper. Sie sorgen dafür, dass elementare Dinge wie der Wasserhaushalt oder unser Nervensystem nicht auf Störung gehen. Und ganz wichtig; Calcium als Baustein unserer Knochen und Zähne. Ob alles in Sachen Mineralstoffen und Spurenelementen in unserem Körper in Ordnung ist, bekommen wir im Grunde nicht bewusst mit. Wir merken nur die Konsequenzen, wenn die Mangelerscheinungen auftreten. Ob Muskelzuckungen, Müdigkeit oder brüchige Knochen, hier können Mangelerscheinungen vorliegen. Aber was hat das mit unserer Karriere zu tun? Ein essentielles Thema der Karriereernährung, das häufig unterschätzt wird, ist der Berufshaushalt. Ähnlich wie der Körperhaushalt folgt er gewissen Strukturen, die Einfluss auf unser gesamtes Leben nehmen. Wir sollten sehr wohl bei der Berufswahl, aber auch bei den folgenden Karriereschritten ein kleines wachsames Auge darauf haben. Da wäre zunächst die grundsätzliche Frage nach der geistigen Freiheit. Es gibt Aufgaben, die lassen sich mit runtergefahrenen Hirnwindungen gut meistern und es gibt Aufgaben, die beanspruchen uns gewaltig. Hier können wir in der Regel durch die Gestaltung des Tagesablaufes eine gute Mischung finden. Es ist einfach daher gesagt, aber Menschen, die zum Beispiel in Schichten arbeiten, übergeben ihre Arbeit und damit die Sorgen der Folgeschicht und haben die Chance unbelastet in den Feierabend zu gehen. Während andere eventuell ihre Arbeitsthemen mit nach Hause nehmen und den Kopf nicht zu hundert Prozent frei bekommen. Soweit die Theorie. Das heißt, wenn ich eine Pflegekraft im Schichtdienst bin, kann ich nach Feierabend einfach den Ausschalter drücken und schon habe ich die Sorgen meiner Patienten oder meiner Arbeit vergessen? Nein, natürlich nicht. Sowas ist immer auch von unserer Persönlichkeit abhängig. Aber dennoch, die Art des Berufes hat einen entscheidenden Einfluss auf unsere Körper-Balance. Soziale Berufe können sich entweder positiv auf unseren Körperhaushalt auswirken, weil wir vielleicht mitnehmen, wie wir die Welt heute ein kleines Stück besser gemacht haben. Sie können aber auch sehr belastend sein, weil sie eben auch eine thematische Schwere mitbringen, die wir stemmen müssen. Gleiches gilt für die Berufe in der freien Wirtschaft. Hier brauchen wir oftmals die Flexibilität, die der Alltag erfordert, um in genau diesem Moment voll da zu sein. Manchmal tragen wir Verantwortung, die entweder wie eine Gewitterwolke sehr erdrückend über uns schwebt oder am blauen Himmel gar nicht sichtbar ist. Eventuell beinhaltet unser Beruf gefährliche Arbeiten, denen wir sowohl geistig als auch körperlich gewachsen sein müssen. Ein Job kann sich auch einfach nur in Rahmenbedingungen bewegen, die unserem Körperhaushalt nicht zuträglich sind. Wiederholt fällt mir da direkt der Schichtdienst ein. Es ist leicht gesagt, dass wir bei der Berufsentscheidung gewusst haben, worauf wir uns einlassen, aber zwischen wissen und erleben gibt es einen Unterschied. Schichtdienst ist eine Belastung für die einen und ein Segen für die anderen. Die Arbeitszeiten sind zwar geregelt, aber wer arbeitet gerne, wenn die anderen bei der Familie sind oder ihre Freizeit genießen. Und wer passt gerne täglich die Koordination des Alltags den wechselnden Arbeitszeiten an? Außerdem der umgekehrte Fall: In unserer Gesellschaft macht sich niemand darüber Gedanken, ob der Nachbar gerade vom Schichtdienst nach Hause gekommen ist, und vielleicht jetzt ein bisschen Ruhe braucht. Speziell bei Nachtschicht-Tätigkeit ist das ein Thema. Soziale Eingriffe nimmt unser Berufsleben aber auch vor, wenn es von uns viel örtliche Flexibilität fordert, sprich Reisetätigkeit. Zwanzig Prozent Reisetätigkeit klingt wenig, aber heißt nun mal entweder, dass wir jeden fünften Arbeitstag nicht zuhause sind (und in der Regel mindestens eine Nacht dazu) bishin zu, dass wir eben alle fünf Wochen mal eine ganze Woche unterwegs sind. Das hat Einschnitte in unser soziales Miteinander zur Folge. Für den einen mehr, für den anderen weniger relevant. Wer schon einmal in einem Konzept mit Rufbereitschaft gearbeitet hat, der kennt die Tücken des Gefühls der zeitlichen Flexibilität, jederzeit zum Einsatz eilen können zu müssen. Kann da unser Kopf wirklich abschalten? Es gibt Arbeitslätze, die fördern Routine andere haben gar keine Routine. Im globalen Umfeld arbeiten wir in Positionen, in denen unsere Muttersprache im Alltag nicht mehr vorkommt. Fühlen wir uns damit wohl? Klassischerweise müssen wir hier auf alle Themen mit „kommt darauf an“ antworten. Aber worauf kommt es an? Die Körper-Balance ist abhängig von unseren individuellen Bedürfnissen. Deshalb können wir das auch gar nicht pauschal greifen an dieser Stelle. Aber der Hinweis auf die Relevanz ist mir wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der wir uns unseren Arbeitsplatz auch zu einem gewissen Grad aussuchen können. Und demnach müssen wir die für uns gesunde Option wählen, und das heißt bewusst entscheiden. Bewusst entscheiden bedeutet, dass wir uns Gedanken machen und uns der Bedeutung der Entscheidung klar sind, bevor wir den Schritt gehen. Und trotzdem wird uns die Erfahrung lehren, ob wir für diesen Berufshaushalt gemacht sind. Die mentale, körperliche oder auch soziale Belastung kann uns von vielerlei Richtungen im Berufsleben ereilen. Wir müssen in unserem Körper dazu den Ausgleich finden. Was ich an dieser Stelle nur kurz und hoffentlich einprägsam anmerken möchte ist, dass wir durchaus durch den Berufshaushalt unseren Körperhaushalt signifikant beeinflussen. Und in der Regel, machen wir uns zu den beruflichen Rahmenbedingungen vorab zu wenig Gedanken. Vielleicht geschieht dies auch, weil wir uns selbst zu wenig hinterfragen, vor allem wenn unser aktueller Alltag gut funktioniert. Es ist schade, wenn wir eine Ausbildung zum Koch machen und hinterher feststellen, dass die Arbeitszeiten überwiegend in der Freizeit anderer liegen und somit unsere soziale Körper-Balance nicht kompensierbar das Gleichgewicht verliert. Es ist schade, wenn wir, wie in meinem Fall, als Prozessingenieur an vielen Orten in Europa im Einsatz sind, aber im Grunde am Wochenende nur noch müde und antriebslos nach Erholung ächzen. Es ist schade, wenn wir als Familie zwei Elternteile im Schichtdienst sind, die sich letzten Endes nur gegenseitig die Kinder übergeben und kein gemeinsames Leben mehr haben. Es ist schade, wenn wir aufgrund der Tragweite der Themen des beruflichen Alltags unser Kopf im vollkontinuierlichen „Power On“-Modus läuft und an ein Abschalten nicht mehr zu denken ist. Und tatsächlich ist es so, dass wir die ein oder andere Konsequenz vermeiden könnten, hätten wir doch vorher einmal genauer nachgedacht.
Das ist viel Konjunktiv. Aber wie schon zu Beginn des Kapitels anhand der Mineralstoffe und Spurenelemente erklärt, solange alles intakt ist, registrieren wir die Wichtigkeit nicht. Das heißt, niemand fordert uns auf, die aktuelle Situation zu hinterfragen. Wir spüren auch bei der Entscheidung keine Mangelerscheinung, da sie ja nur theoretisch in der Zukunft folgen könnte. Es folgt keine sofortige Reaktion auf unsere Entscheidung. Wenn wir als Kind in der Wachstumsphase übermäßig phosphathaltige Erfrischungsgetränke trinken, dann spüren wir keine direkte Konsequenz. Aber was passiert in unserem Körper? Über Jahre kann sich dieses Phosphat mit Calcium zu Salzen verbinden. Das weggeschnappte Calcium fehlt somit bei der entscheidenden Aufgabe zur Stärkung der Knochen. Das wiederum rächt sich deutlich später in einem instabileren Knochengerüst. Das passiert natürlich nur, wenn unser Köperhaushalt in diesem Fall bezogen auf den Calciumbedarf ins Ungleichgewicht fällt. Allerdings können wir festhalten, wenn der Körper die Balance verloren hat, dann brauchen wir eine strukturelle Veränderung unserer Ernährung. Gleiches gilt für die Karriereernährung.