Die Proteine – Unsere Talentschmiede

Als Allererstes starten wir unsere Karriereernährung mit den Proteinen. Das Wort Protein leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet frei übersetzt sowas wie „ich nehme den ersten Platz ein“. Hier wird also schon an der Bezeichnung ersichtlich, wie wichtig die Proteine für unseren Körper sind. Im deutschen Sprachgebrauch benutzen wir häufig das Wort Eiweiß für Proteine. Das wird den Proteinen nicht ganz gerecht, sind sie doch viel mehr als nur das Weiße vom Ei. Chemisch gesehen sind es Kombinationen von Aminosäuren, die in unserem Organismus eine Reihe von Aufgaben erfüllen. Was hier so lapidar klingt, ist im Grunde die Organisation unseres Körpers: Die Proteine sind die Bausubstanz unseres Körpers, der Strukturgeber für Haut, Bindegewebe und Knochen. Sie bilden noch dazu unser körpereigenes Transport und Lagersystem. So übernimmt beispielsweise das Protein Hämoglobin die Sauerstoff-Logistik in unserem Blut. Sie initiieren gleichfalls Schutzreaktionen als sogenannte Antikörper in Allianz mit den Zellen des Immunsystems. Auch handeln Proteine als Enzyme oder Hormone. Ein solches Hormon ist zum Beispiel das Insulin, das unseren Blutzuckerspiegel regelt. Nicht zu vergessen; es sind auch die Proteine Myosin und Aktin, die unsere Muskeln in Bewegung halten. Kurz gesagt: Die Proteine sind wahre Multi-Talente in unserem Körper.

In einer ausgewogenen Ernährung sollten wir pi mal Daumen circa fünfzehn Prozent unserer Energiezufuhr mit Proteinen abdecken. Diese sollte in etwa zur Hälfte mit Kohlenhydraten und einem Drittel Fett ergänzt werden. Aber das sei nur mal so am Rande erwähnt. Warum also müssen wir uns so im Detail mit den Proteinen auseinandersetzen?

Proteine sind für unseren Körper von entscheidender Bedeutung. Dabei übernehmen nicht alle Proteine die gleichen Aufgaben, aber alle Proteine basieren aus den gleichen Bausteinen; den Aminosäuren. Sie werden nicht alle von unserem Körper selbst hergestellt, sondern müssen teilweise über die Nahrung zugeführt werden. Das heißt, wir müssen darauf achten, dass wir sie aktiv in unserer Ernährung einbauen. Zudem gilt grundsätzlich für die Proteine das Prinzip der Ausgewogenheit: Tierisches und pflanzliches Protein hat unterschiedliche Vor- und Nachteile. Wir sollten also den Ursprung der Proteine bei der Ernährung berücksichtigen. Wie eigentlich immer in Ernährungsfragen, kommt es auch bei den Proteinen auf die richtige Dosis an. Eine übertriebene Proteinaufnahme sorgt zum Beispiel für überlastete Nieren. Außerdem übernimmt das Protein ab Erreichung des Tagesbedarfs nur noch die Aufgabe des Energielieferanten. Damit korreliert ab diesem Moment jedes Gramm Eiweiß mit einer Kalorienmenge von etwa vier Kilokalorien. Zu wenig Protein in unserer Ernährung hingegen führt zu Schwächung der Muskeln und des Immunsystems. Das heißt summa summarum, die Proteine definieren uns im Positiven aber können uns bei Fehleinnahme auch nachteilig beeinflussen.

Doch was bedeutet das nun in unserer Analogie zum Berufsleben? Behalten wir vorab die wichtigsten Informationen zu den Proteinen im Hinterkopf: Die Proteine sind unsere Strukturbildner. Sie sind unser Muskelmotor und Spediteur im innerkörperlichen Transport. Und ihre Bausteine werden teilweise aus unserer Ernährung gebildet.

Genau diese tragende Rolle sollten in unserem Berufsleben und Karrierepfad unsere Fähigkeiten und Begabungen einnehmen: Die Talente definieren uns in erster Linie. Sie treiben uns an und strahlen unsere Stärke nach außen aus. Unsere Begabungen können aber nur dann weiter wachsen, wenn wir sie mit den äußeren Einflüssen abgleichen und mit Ihnen in Einklang bringen.

Aber gehen wir zunächst auf Anfang. Es beginnt bereits beim ersten Schritt der Berufswahl, bei der wir wie selbstverständlich auf unsere Stärken achten sollten. Das allerdings tun wir nicht immer. Häufig spielen viele andere Faktoren eine entscheidende Rolle. Wir denken über den zukünftigen Arbeitsplatz inmitten der Wirtschaftssituation und die Verdienstmöglichkeiten bei der Berufswahl nach. Oder wir berücksichtigen den möglichen Arbeitseinsatzort im Kontext zur Nähe der Familie. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist in der Regel ein essentielles. Wir überlegen aber möglicherweise auch, wo die vermeintlichen Karrierechancen am größten sind. Im Zuge dieses Konzeptes zu „Ernähre Deine Karriere“ sollte uns klar werden, dass unsere Karrierechancen dort am Größten sind, wo unsere Karriere-Ernährung am ausgewogensten ist.

Schon bei der Berufswahl sollten wir uns als erstes auf unsere Stärken besinnen. Kein Arbeitsplatz dieser Welt kann uns dauerhaft erfüllen, wenn wir einen Großteil der Aufgaben nicht mit und zu unserer Zufriedenheit ausüben. Möglicherweise überfordern oder unterfordern uns die Tätigkeiten, weil sie nicht unseren Talenten entsprechen. Ich will gar nicht abstreiten dass die oben genannten existenziellen Fragen auch berücksichtigt werden müssen. Aber niemals dürfen sie an erster Stelle stehen.

Denken wir an die Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow. Der Psychologe Maslow hat bereits 1943 ein fünf Stufen Modell entwickelt und veröffentlicht, in dem er die Bedürfnisse für die menschliche Motivation darstellt. Darin beschreibt er die verschiedenen Bedürfnisarten. Er bringt sie in eine hierarchische Ordnung, die von unten nach oben aufeinander aufbaut. Basierend auf den sogenannten Defizitbedürfnissen wie Grundbedürfnisse, Sicherheitsbedürfnisse, Soziale Bedürfnisse oder Wertschätzungsbedürfnisse thront ganz oben die Selbstverwirklichung als Wachstumsbedürfnis. Bei dem Gedanken an Karriere, schweifen unsere Blicke automatisch an die Pyramidenspitze in Richtung Selbstverwirklichung. Und damit denken wir, dass es eines dieser Bedürfnisse ist, die ganz am Schluss Berücksichtigung finden sollten. Das steht im Widerspruch zu dem, was ich vorher beschrieben habe, denn das Sicherheitsbedürfnis und damit auch die berufliche Sicherheit stehen auf der zweiten Stufe unserer Bedürfnisse. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sage, eine unausgewogene Karriereernährung macht uns im schlimmsten Fall krank. Eine Karriere, die nicht im vollständigen Einklang mit unseren Talenten stattfindet, können wir sicherlich gut verkraften. Allerdings ist es nicht gesund, unseren beruflichen Lebensweg in Dissonanz also entgegen unserer Fähigkeiten zu wählen. Und damit sind wir auf der Stufe des Grundbedürfnisses Nummer eins, der Gesundheit. Es ist also nicht alles so schwarz und weiß einfach dargestellt. Wir halten aber fest: Unsere Karriereplanung muss in erster Linie von unseren eigenen Stärken und Talente im Alltag motiviert sein. Sonst erzeugen wir bereits ein Defizit auf der Basis und werden nie auf die Stufe der Selbstverwirklichung gelangen können. Finanzielle Sicherheit und Arbeitsplatzsicherheit sind ergänzende Kriterien, die wir nicht vernachlässigen sollten. Zu welchem Grad diese Defizitbedürfnisse eine Rolle spielen, hängt von unserem individuellen Sicherheitsbedürfnis ab und kann natürlich variieren. Um unsere Gesundheit zu erhalten und möglicherweise irgendwann die Selbstverwirklichung zu erreichen, müssen wir uns also mit unseren Talenten auseinandersetzen.

Bei den Talenten spielt zum einen der Spaßfaktor eine Rolle. Denn in der Regel handelt es sich um Tätigkeiten, die uns Freude bereiten. Es sind somit die Proteine in ihrer Funktion als unser Antrieb. Um unsere Muskeln aber auch gezielt zu bewegen, müssen sie in eine funktionierende Struktur eingebettet sein. Das heißt, um unsere Fähigkeiten erfolgreich und für uns motivierend einzusetzen, müssen diese auch von unserem Umfeld anerkannt werden. Hier müssen wir eine zweite Dimension berücksichtigen, nämlich die externe Welt. Nicht alles, was uns Spaß macht, machen wir auf besonders talentierte Weise, sprich mindestens gut. Das wäre dann der klassische Fall der Arbeitszeugnis-Formulierung „er oder sie war stets bemüht“.  Das ist kein Beinbruch, aber es ist eine Realität. Wir müssen also noch eine Ebene tiefer eintauchen. Wir halten nach Fähigkeiten Ausschau, die uns Freude bereiten und in denen wir auch noch erfolgreich sind. Erfolgreich bedeutet in diesem Zusammenhang, dass wir in der Lage sind mit der Durchführung der Tätigkeit auch andere zu bewegen. Wir können Menschen physisch zu etwas bewegen, aber auch emotional bewegen. Auch Zufriedenheit an sich ist bereits eine Gemütsbewegung. Wir erkennen somit unsere Talente immer daran, ob wir mit unserer Muskelbewegung andere anstoßen konnten. Unser Umfeld gibt uns in der Regel eine direkte Rückmeldung.

Die Entdeckung unsere Talente ist ein fortlaufender Prozess. Es ist allerdings ein Prozess, dem wir häufig zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Als lebende Perfektionisten versuchen wir stets uns zu verbessern und fokussieren uns gerne auf die Talente, die bei uns nicht sehr ausgeprägt sind. Und als sogenannter „Homo Oeconomicus“ ist die ausreichende Fähigkeits-Ausprägung genug, eben wortwörtlich ausreichend.

Warum also auf die Talente konzentrieren und sie weiterentwickeln?

Wir dürfen nicht vergessen: Es ist sehr schwer, unsere körpereigene Talentstruktur zu durchbrechen und neue Begabungen zu entwickeln. Ich glaube sogar, es ist fast unmöglich. Ganz sicher ist es mit einem unbeschreiblichen Energieaufwand verbunden; ein aufreibender Prozess. Ihm fehlt neben der externen Bestätigung durch unser Umfeld auch zusätzlich die interne Gemütsbewegung der Zufriedenheit.

Ich könnte jetzt hier das Phrasenschwein nur so klimpern lassen. Von „bleib dir treu“ bis hin zu „man sollte sich immer der nächste sein“, diese Sprüche sagen es auf unterschiedliche Art und Weise: Wir müssen uns auf uns fokussieren. Nur wenn wir uns selbst verstanden haben, können wir uns mit unserem Umfeld abstimmen und mit unserem Klang eine Resonanz erzeugen. Im zweiten Schritt können wir gezielte Bewegungen erzeugen, in dem wir unsere Talente nutzen. Mit unseren Proteinen erzeugen wir Muskelbewegungen in unserem Umfeld. Unsere Talente sind der Anstoß für andere, darauf aufzubauen oder zufrieden zu sein.

Auf dem Weg dorthin, sollten wir gut zuhören. Feedback ist der Schlüssel zum Erfolg. Die Rückmeldung aus unserem Umfeld ist der nicht körpereigene externe Baustein unserer Proteine. Ohne sie, können wir unsere Talente nicht optimal zusammenbauen. Sie ermöglicht uns die durch uns initiierten Bewegungen unseres Umfeldes zu verstehen. Es ist wie ein kontinuierlicher Abgleich der Selbstwahrnehmung mit dem Fremdbild. Dadurch überprüfen wir immer wieder, den Wirkungsgrad unser selbst. Hier können wir uns an dem Modell des „Johari Fensters“ bedienen. Joseph Luft und Harry Ingham haben 1955 genau diese Gegenüberstellung der bewussten und unbewussten Merkmale in vier Feldern beschrieben.

Idealerweise kennen wir selbst und andere unsere Talente. Das heißt, unsere Talente sind öffentlich. Allerdings gibt es Fähigkeiten, die wir noch nicht erkannt haben, aber andere bereits wahrnehmen. Diese für uns schlummernden Talente sind sogenannte blinde Flecken. Gegebenenfalls gibt es aber auch Fähigkeiten, die sind nur für uns sichtbar und andere haben sie noch nicht wahrgenommen. Dafür gibt es in der Regel zwei Ursachen. Entweder wir haben diese Stärke bewusst noch nicht nutzenbringend zum Einsatz gebracht, somit ist sie unser Geheimnis. Oder aber, die Fremdwahrnehmung unterstützt unsere Einschätzung nicht, das heißt, wir haben unsere Fähigkeiten überschätzt und es handelt sich in Wirklichkeit um keine wahrgenommene Stärke. Tatsache ist, durch die fortlaufende Rückmeldung auf unsere Fähigkeiten erlangen wir Klarheit und ein Selbstverständnis über unsere vorhandenen Stärken. Wir können daraus lernen und uns optimieren.  Dabei sollten wir selbstbewusst eine Reaktion unseres Gegenübers klären, wenn wir unsicher sind. Nehmen wir die Aussage „Das ist interessant“. Das kann im Zusammenspiel mit der Betonung und Körpersprache vieles bedeuten. Hier besteht häufig Klärungsbedarf. Selbstbewusst klären, heißt aber auch, dass wir nicht gekränkt sein dürfen, wenn wir eine Fehleinschätzung unserer eigenen Fähigkeiten realisieren. Die Weiterentwicklung unserer Fähigkeiten ist ein endloser Prozess.

Hier kommst du zu Deinem Talent-Fenster zum ausdrucken und ausfüllen: https://karriere2go.com/mein-talent-fenster/

Wir haben uns damit auseinandergesetzt, warum wir unsere Stärken weiterentwickeln wollen. Und da wir uns im Kapitel der Talentschmiede befinden, wissen wir auch, was wir machen wollen. Aber wie stellen wir das an?

Wir bauen auf unsere Talente, um eine gesunde Karriereernährung auf die Beine zu stellen. Aber wie arbeiten wir an unseren Talenten nun ganz gezielt?

Eine Rückmeldung auf unsere Fähigkeiten erhalten wir durch gezieltes Beobachten, soweit so gut. Die Mimik und Gestik unseres Umfeldes hilft uns genauso weiter, wie die ausgesprochene Anerkennung, das Lob. Aber wie gezielt kann eine Beobachtung sein, wenn wir nicht wissen, worauf wir zielen? Ich vertraue darauf, dass man eigentlich nur zwei Dinge braucht. Eine gute Beschreibung von Schlüsselfähigkeiten im Berufsleben und eine gelungene Methode, um sich Rückmeldung zu holen. Beides existiert im Bücher- und Coaching-Sektor in rauen Mengen.  Wenn wir uns die Schlüsselfähigkeiten oder auch Kernkompetenzen anschauen, dann sollten wir uns immer im ersten Schritt mit den Anforderungen auseinandersetzen, die es an die aktuelle oder mögliche zukünftige Position gibt. Dies ist typischerweise unternehmensspezifisch in Anforderungsprofilen festgelegt. Unternehmensübergreifend gibt es eine Vielzahl von Fähigkeiten-Profilen. Im ersten Schritt liegen uns aber immer Anforderungen an Fähigkeiten in Stellenausschreibungen vor, an denen wir uns zunächst orientieren können. Zudem gibt es im Internet einige frei verfügbare Übersichtsseiten für Kompetenzen, die uns auch als Grundlage dienen können. Klassischer Weise beschäftigen wir uns immer als erstes mit der Fach- und Methodenkompetenz (FAME), die häufig auch als „Hard Skills“ bezeichnet werden. Diese Kompetenzen fokussieren sich in erster Linie darauf, was wir können müssen. Sie sind erlernbar und gelten traditionell als entscheidend für den Karrierestart. Entscheidend und häufig vernachlässigt sind bei diesen Kompetenzen vor allen Dingen, die Fähigkeit sich Wissen zu erarbeiten.

In Vorstellungsgesprächen stelle ich immer eine Frage nach einem Fakt, den üblicherweise niemand standardmäßig auf dem Schirm hat. In der Regel kenne ich selbst die Antwort nicht. Nehmen wir zum Beispiel die Frage nach der Anzahl von Restaurants oder Tankstellen in einem bestimmten Land. Es ist spannend zu beobachten, wie wir Menschen mit solchen Fragestellungen umgehen. Während die einen einfach raten, entwickeln andere Lösungstheorien. Und so können wir unsere Methodenkompetenz leicht überprüfen. Unter Methodenkompetenzen verstehen wir beispielsweise Fähigkeiten wie Problemlösungskompetenz, analytisches Denken, Fokus, Konfliktmanagement, Entscheidungsfähigkeit, Umgang mit Mehrdeutigkeit oder einer Vielzahl von Informationen, Delegieren, Kommunikationsstärke, Messen von Zielen.

Neben den harten Kompetenzen gewinnen auch die persönlichen Fähigkeiten entscheidend an Bedeutung. Warum? Fachkompetenz können wir lernen. Methodenkompetenz ist ebenfalls zu einem gewissen Grad erlernbar. Aber die Soft Skills, also die weichen persönlichen Fähigkeiten, sind Sozialkompetenzen, die wir uns von Geburt an schrittweise angeeignet und verinnerlicht haben. Sie geben uns Auskunft darüber, wie wir uns in unserem sozialen Umfeld bewegen, mit anderen zusammenarbeiten und auch mit uns ungewohnten umgehen. Sie sind Spiegelbild unseres bevorzugten Verhaltensmusters in sozialer Interaktion. Beispiele für persönliche Kompetenzen sind Auftreten, Authentizität, Belastbarkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen, Engagement, Eigeninitiative, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Flexibilität, Lernbereitschaft, Leistungsorientierung, Mobilität, Organisation, Selbstvertrauen, Stressresistenz, Tatkraft, Verantwortungsgefühl oder Zuverlässigkeit.

Welche Fähigkeiten wir auch zugrunde legen, im Folgeschritt geht es an die Selbsteinschätzung. Wir müssen wissen, ob wir zum Beispiel entscheidungsfreudig sind oder qualitativ gute Entscheidungen treffen. Wie gehen wir beispielsweise mit einer Vielzahl von Informationen um? Sind wir talentiert darin, sie zu analysieren und/oder liegt unsere Stärke in der Kommunikation dieser Information? All das sind mögliche Fähigkeiten, in denen wir talentiert sein können. Die Erfahrung ist unser Lehrmeister für die Einschätzungen, deshalb ist es durchaus empfehlenswert gedanklich in die Vergangenheit einzutauchen und sich an Beispielsituationen zu orientieren. Nicht umsonst kommt in Vorstellungsgesprächen häufig die Frage nach einer Erfahrung aus der Vergangenheit, anhand derer wir eine bestimmte Fähigkeit zeigen können. Das ist die simulierte Suche nach unseren Talenten.

Nur diese Selbstwahrnehmung reicht allerdings nicht. Ergänzend dazu folgt die Fremdwahrnehmung, unser Wirkungskreis auf andere. Und hier ist es wichtig methodisch Rückmeldung zu erfragen. Wir scheuen häufig die Situation, denn Feedback zu erhalten und anzunehmen ist nicht ganz einfach. Feedback zu geben ist es allerdings auch nicht. Das ist wie dieser Kinderwitz mit dem Busfahrer und der Anzahl an Personen, die an zig Stationen ein- und aussteigen. Wir sind die ganze Zeit beschäftigt die Personenanzahl zu addieren und subtrahieren und am Schluss erfolgt die Frage nach dem Alter des Busfahrers, das am Anfang des Witzes erwähnt wurde. Wir können sie nicht beantworten, weil wir abgelenkt waren. Würden wir aber zu Beginn des Spiels darauf hingewiesen, dass diese Information eine wichtige Information ist, so würden sich wohl alle das Alter des Busfahrers merken. Was ich sagen will: Ein qualitatives Feedback ist nur ein gezieltes Feedback und das sollte vorbereitet werden.  Wir sollten den Menschen, die wir um Rückmeldung bitten, auch die Chance geben, gezielt auf unser Verhalten zu achten. Dazu müssen wir sie hinweisen, worauf sie ihr Augenmerk legen sollen.  So können diese differenziert wahrnehmen und ebenso Rückmeldung geben. Das aus meiner Sicht beste Feedback ist immer, wenn der Bezug zu einer Situation hergestellt werden kann. Dazu hat das Center of Creative Leadership das Model Situation-Behavior-Impact (SBI)™ zur Rückmeldung entwickelt. Dabei beschreibt der Feedback-Geber die Situation, zu der er Feedback geben möchte, um beide Parteien wieder in diese Situation gedanklich zurückzuversetzen. Und dann beschreibt der Feedback-Geber, welches Verhalten er beobachtet hat und wie es auf ihn gewirkt hat. Für mich ist das die ehrlichste Form des Feedbacks. Kein persönlicher Angriff, keine verletzten Gefühle. Nein, es ist das Vorhalten des Spiegels einer Situation, die beide erlebt haben. Unsere eigene Wahrnehmung in dieser Situation kennen wir, und nun bekommen wir die Fremdwahrnehmung serviert. Der Abgleich bleibt bei uns selbst und wir entscheiden selbst, wie wir damit umgehen. Die Talentschmiede kann ihre Arbeit aufnehmen. Aber wie gesagt, eine solch gezielte Rückmeldung kann nur erfolgen, wenn wir unser Gegenüber entsprechend vorbereiten. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, eine Person aus meinem beruflichen Alltag monatlich in einem kurzen Gespräch um Feedback zu bitten. Als fest eingeplanter Termin beispielsweise gerät es nicht in Vergessenheit. Und als kontinuierlicher Feedback Partner können wir Veränderungen besser erkennen. Wichtig dabei ist allerdings auch, dass wir diese Person als Feedback-kompetent einschätzen. Es hilft uns keinesfalls einen Feedback-Geber auszuwählen, der loben kann und uns immer nach dem Mund redet oder sich nicht trauen würde, auch konstruktive Rückmeldung zu geben. Idealerweise ist es jemand, der uns regelmäßig in Situationen erlebt und gleichzeitig die Erfahrung mitbringt, unser Verhalten auch im Kontext an die Erwartungen an die Position oder das Unternehmensumfeld wahrzunehmen.

Nun sprechen wir hier im Rahmen der externen Rückmeldung zu unseren Talenten immer von einer Fähigkeit. Natürlich bestehen wir aus einem Proteingeflecht aus Talenten. Wir sollten bei der Entwicklung von Talenten uns immer auf wenige konzentrieren, um nicht den Fokus zu verlieren. Wir sollten aber dennoch uns unserer Talente im Allgemeinen bewusst sein. Daher lasst uns an dieser Stelle unsere Fame-Perso ID zu Papier bringen, also unsere Fach-, Methoden-, persönliche und Sozial-Kompetenz.

Hier kommst du zu deiner Fame-Perso ID zum Ausdrucken & Ausfüllen: https://karriere2go.com/fame-perso-id/

Im Anschluss an diesen Blog empfehle ich euch den Blog zum Thema „Unverdautes“.

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